Unsere erste (Hoch)Tour – Hochfeiler (3.510m)

(Birgit, Wolfgang, Robert, Alois, Alois, Hans-Peter, Georg, Walter)

Blickrichtung SW - Marmolada, Ortler, ...

Wenn schon, denn schon dachten wir uns als Quereinsteiger! Großes war geplant zum Ende dieser Saison, welche für uns eigentlich der Anfang war. Das Wetter versprach sehr gut zu werden am Wochenende – warm und wolkenlos. Ein hohes Ziel musste her, wenn möglich ohne Gletscherüberquerung (wäre für uns als Anfänger dann doch etwas verwegen gewesen) – quasi eine Standortbestimmung für Kommendes. So nahmen Birgit und ich die Einladung von Robert Rachbauer (ein „Kletterspezi“ von Erika und Birgit), eine Hochtour auf den Hochfeiler (Südtirol) mitzumachen, gerne an. Nur ein Problem galt es zu lösen. In unserer Checkliste standen Steigeisen und Pickel, welche in unserem Sortiment noch fehlen. Also was tun? … den „Assi“ anrufen kam uns sofort in den Sinn. Ein kurzer Anruf und schon hatten wir 2x Steigeisen und Pickel vor der Tür – DANKE an dieser Stelle – macht doch Sinn „Climbandhiker“ zu sein :-)!

Mit zwei der fünf teilnehmenden Bergfreunde von Robert (Lois & Lois) trafen wir uns am Freitag Vormittag in Friedburg. Mit zwei Autos ging es dann Richtung Brenner – keine Ferienzeit und somit (fast) freie Fahrt. Ankunft um ca.14:30 am Parkplatz im hintersten Pfitschertal auf 1.700 m … es standen nur wenige Autos rum … auch dass der drei anderen Bergspezis von Robert (Hans-Peter, Georg und Walter) war dabei.

Auf zum obligatorisches Rucksack packen und los ging‘s – Hochfeilerhütte 3h 10′ steht auf dem Schild. Sollte sich also machen lassen, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit die 1032Hm und ca. 6,6km lange Strecke bewältigen würden.

Blick ins Glidertal und nach Westen auf den Tuxerkamm

Der Hüttenaufstieg:
Der Rucksack war natürlich viel zu schwer…Steigeisen, Pickel, Stöcke und Sonstiges was man so zu brauchen glaubt. Wechselklammotten, Jacke, (Mammunt)Flies, Waschzeug, Camelpack, Brotzeit … und die Digicam. Nach ca. einer 1/2h kommt man nach sumpfigen, glitschigem Aufstieg durch einen Blättertschungel auf eine kleine ebene Fläche (ca. 1.970m), die die Sicht ins Glidertal und nach Westen auf den Tuxerkamm freigibt.

Nach einer weiteren 1/2h gewinnt man die letzte Steilstrecke durch dichte Latschen hindurch und dann wird der Steig flacher (ca. 2150m) und zieht sich schier endlos immer leicht steigend in angenehmen bergauf und bergab nach Osten Richtung Hütte.

Kurz vor der ersten Rast

Nach einer knappen weiteren Stunde Gehzeit und einer kurzen, aber versicherten Felspassage und ein paar weiteren Serpentinen (ca. 2500m) der erste Blickkontakt zum immer noch weiten Ziel der Hochfeilerhütte.

Es geht kurz wieder bergab und 3 Brücken leiten über die Abflüsse des Weißkarferners.

Eine kurze Rast und „Schattenspiele“ mit der Kamera verkürzen die Zeit bis zur Ankunft auf der Hochfeilerhütte (2.710m).

Gut dass Georg von Freitag auf Samstag gebucht hatte, denn für das WoEnde war die Hütte ausgebucht. Duschen ließen wir aufgrund des aufkommenden Hunger- und Biergefühles sein und widmeten uns den wichtigen Sachen im Leben – PROST!

Mit Backerbsensuppe, Spaghetti, Gulasch mit Kartoffel und Krautsalat gestärkt und dazu Weihenstephaner Weißbier oder/und Edelvernatsch, kamen die Lebensgeister wieder schnell zurück.

Ein paar Fotos vom Sonnenuntergang noch und dann ging es (fast) pünktlich um 10.00 Uhr ins Lager – Hüttenruhe!

Zum Gipfel:

Am nächsten Morgen geht‘s gemütlich um 7:30h nach genüsslichem Frühstück los. 2 1/2h zum Gipfel verkündet der Wegweiser. Es geht erst ein paar hundert Meter mäßig steil nach Westen, dann überwindet man mit Seilsicherungen eine kurze Felsstufe.

Am Weg zu den Seilsicherungen und einer kurzen Felsstufe

Danach wendet sich der Pfad immer steiler werdend nach NO und führt nahe der Felskante immer steiler bergauf. Bei ca. 3000m erreicht man eine Zone mit flachen Steinplatten, die von den vielen Bergsteigern aufgerichtet wurden – echt urig!

Die Tiefblicke auf den Gliderferner und die Aussicht auf die umliegenden Gipfel wird immer imposanter.

Bei ca. 3120m flacht der Pfad ab und man kann die letzte Wegstrecke auf den SW-Grat und den steilen Firngrat auf den Gipfel komplett einsehen.

Auf der Nordseite noch Schnee und auf der Südseite Fels in direkter Richtung zum Gipfel. Wir treffen nach kurzer Zeit auf den Pfad nach oben, der uns auf den SW Grat bringt. Die Steigeisen brauchen wir nicht anschnallen, da wir auf dem steil werdenden (ca. 45°) Grat auf der Südseite zum Gipfel gelangen.

Aufgrund des phantastischen Wetters haben wir eine hervorragende Fernsicht.

Ein imposanter Rundumblick Blick zu den 3 Gipfeln des Hochferners, dem Ortler, zur Marmolada und den restlichen Dolomiten, lies uns einige Zeit innehalten. Selbst das Steinerne Meer und der Großglockner waren zu sehen.

Der mächtigen Nordwand entlang nach unten blickend sahen wir den Schlegeisspeicher mit dem Furtschaglhaus,

Furtschaglhaus oberhalb des Schlegeisspeichers (roter Kreis)

den Hintertuxer Gletscher, und …….. Nach einer kurzen Rast machten wir uns bereit für den Abstieg, welchen wir uns aufgrund der großen Zeitreserve mit einem „Riesenschnitzel“ und Weißbier auf der Hochfeilerhütte versüßen wollten.

Der Abstieg:
Der teilweise 45° steile, sehr felsige Abstieg gleich zu Beginn erforderten bergab doch etwas Trittsicherheit.

Zwei einheimische Bergfexen überholten uns und zeigten wie man so was macht – teilweise laufend und in einem Höllentempo bergab gehend waren sie sehr schnell wieder außer Sichtweite. Nach ca. 2h kamen auch wir auf der Hütte an und fanden glücklicherweise auf der sonnenüberfluteten Terrasse noch ein Plätzchen – gleich neben den beiden Bergfexen, die offensichtlich schon seit einiger Zeit zu sitzen schienen.

Gestärkt brachen wir wehmütig auf um die restliche 1.000Hm hinter uns zu bringen. Der schier endlose, nicht endend wollende Rückweg zum Parkplatz ging dann auch unfallfrei über die Bühne.

Georg mit seinem neu gewonnenem Freund "Arco".

Gemeinsam fuhren wir zwar erschöpft, aber beeindruckt vom Erlebten, zu unserer Unterkunft nach Stein zum „Speck Sepp“. Ein sehr langer Abend sollte uns dort erwarten 🙂

Nachsatz:
Ich möchte hiermit die Gelegenheit nutzen um unserem Bergführer Robert ein riesengroßes Lob auszusprechen.

Immer den Überblick bewahrend und mit sehr viel Fingerspitzengefühl, hat er uns stets das Gefühl gegeben bereits sehr erfahrene Bergwanderer zu sein. Wir freuen uns schon auf die nächste, gemeinsame Tour mit Dir – Danke! Aber auch den anderen Teilnehmern möchten wir für die lustigen und sehr beeindruckenden Tage danken.

Liebe Grüße
Birgit & Wolfgang

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Info Hochfeiler – 3.510m (© <hier klicken>)

Der Hochfeiler in Pfitsch, einem Seitental des Wipptales, ist der höchste Berg der Zillertaler Alpen und bildet die Grenze zwischen Nord- und Südtirol. 3510 Meter reckt sich der Hochfeiler in die Höhe und überragt somit alle umstehenden Bergspitzen. Sein Gipfel liegt auf dem Hauptkamm der Zillertaler Alpen und damit genau im Verlauf der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien. Nach allen Richtungen hin sendet er ausgeprägte Grate.

Die Nordseite ist im gesamten Bereich vergletschert und bildet eine markante, bis zu 60 Grad geneigte, 300 Meter hohe Wand. Die „Hochfeiler Eiswand“ ist eine der bekanntesten Touren des klassischen Alpinismus. Erstmals bestiegen wurde der Berg am 24. Juli 1865 durch den österreichischen Alpinisten Paul Grohmann und die Bergführer Georg Samer und Peter Fuchs. Sie waren die ersten, denen sich der atemberaubende Ausblick auf das tief darunter liegende Zillertal, den Hochferner, den Hohen Weißzint und die Pfunderer Berge bot.

8 Kommentare zu „Unsere erste (Hoch)Tour – Hochfeiler (3.510m)“

  1. Super Fotos von einer tollen Gegend! Und die Nordwand schaut richtig alpin und zum Glück gut eingeschneit aus…letztes Jahr im Juni gings dort mit Ski runter 🙂

    LG Flori

  2. Servus Florian,

    ich war gerade bei Wolfi und Birgit und wir haben uns darüber unterhalten, dass es Verrückte gibt, die da runter fahren. Du gehörst da scheinbar dazu 😉

    LG, Assi

  3. Servus Assi, Wolfi und Birgit,

    so verrückt ist das gar nicht, die Wand wird mittlerweile sehr oft befahren, aber stürzen sollte man trotzdem nicht. 🙂 Bin damals um 1 Uhr vom Schlegeis los und war um halb 7 morgens alleine bei Traumwetter auf dem Gipfel, ein erhabendes Gefühl! http://www.alpinfotos.de/Hochfeiler-Nordwand-2010.htm Aber auch der Normalweg ist eine traumhafte Bergtour, und die Hochfeilerhütte ist eh ein kulinarischer Hit…erinnere mich da noch gerne an den Hüttenabend mit etlichen Schoppen Roten nach der Grießferner-Nordwand…
    LG Flori

  4. @Flori:
    Woh, echt toll deine Fotos von der Hochfeiler Nordwand und wir haben bzgl. Erstbesteigung eines 3.000 etwas gemeinsam – du mit 5 Jahren und ich mit fast 50 🙂 und Null ist ja bekanntlich nichts!
    Hochfeiler Hüttenabend – Daumen nach oben!
    @Assi;
    Danke für die Gratulation – und wie am Abend besprochen … neue Projekte warten bereits 😉

  5. ….. super Tour, schönen Gruss an „Bergführer“ Robert 😉 vielleicht darf ich ja mal mit bei einer Skitour oder so.

  6. Denkt ihr, es ist machbar, den Gipfel auch ohne einen Bergführer als Unerfahrener zu besteigen?

  7. ..lieber Petersson, jeder fängt mal unerfahren an auf Berge zu steigen, ob eine Hochtour auf ein 3000er wie den Hochfeiler dafür der richtige Berg ist muss jeder selbst entscheiden….,

    Selbsteinschätzung und Eigenverantwortung sind halt leider heut zu tage nicht mehr gefragt am Berg weil es kommt ja eh die Bergrettung und da Hubschrauber 🙁 und das ganze kostet ja nicht mal was …..

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